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1 Taschenbuch
Bestellnummer: 114901
Taschenbuch, 512 Seiten
Buchhandelspreis 8,95 €
Club-Preis 8,45 €
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Leseprobe:
Rom brannte. Allerdings waren von hier, von den Terrassen der päpstlichen Sommerresidenz, keine Flammen zu
erkennen. Der Palast von Castel Gandolfo erhob sich am Rand der Colli Albani, fünfzehn, zwanzig Kilometer von
der Ewigen Stadt entfernt. Doch der Nachthimmel im Norden sah aus wie blasses Blut, einem fluoreszierenden
Nordlicht gleich oder dem Furcht einflößenden Schweif eines Kometen. Beides Naturerscheinungen, welche die
Menschen früherer Zeiten als Botschaften Gottes gedeutet hatten: Vorboten schrecklicher Ereignisse. Dies aber
waren keine Vorboten. Dies war das Verhängnis selbst. Das Unheimlichste an der nächtlichen Szenerie war die
vollkommene Lautlosigkeit, mit der das ferne Geschehen vor sich ging. Kein Motorenlärm der Einsatzfahrzeuge,
kein Sirenengeheul war hier in den Albaner Bergen zu hören. Alles war weit weg. Aus den Tiefen der
päpstlichen Gärten erklang das Konzert der Grillen. Klang es verstört in dieser Nacht? Verstörend? Das halblaute
Gemurmel der Betenden mischte sich darunter. Auch ich sollte beten, dachte Pedro De la Rosa. Mehr als jeder
andere. Er fröstelte. Er versuchte, es zu verbergen, doch es gelang ihm nicht. Ohne Aufforderung legte ihm
jemand etwas über die Schultern, einen Mantel oder eine Decke, er achtete nicht darauf. Hin und wieder
erschienen schemenhafte Gestalten aus der Dunkelheit. Mit gedämpfter Stimme brachten sie Neuigkeiten. De la
Rosa hörte die Worte, nickte und konnte sie doch nicht begreifen. Rom brannte. Ich sollte dort sein, dachte er.
Wojtyla wäre längst dort gewesen. Der Deutsche, Benedetto, auch. Vermutlich. Was hätte ER wohl getan? Das
Frösteln kam wieder, und diesmal war es heftiger. Was hat er wohl getan?, verbesserte er sich. Er war dabei, als
Nero die Stadt in Brand steckte und es dann den Christen in die Schuhe schob. Simon Petrus war dabei
gewesen. Wie so viele seiner Glaubensbrüder und -schwestern war er dafür am Kreuz gestorben. Er hätte mit
angepackt, dachte De la Rosa. Er hätte versucht, den Menschen zu helfen. Er war mit Sicherheit ein kräftiger
Mann, schließlich war er mal Fischer gewesen. Kein großer Gelehrter oder Politiker. Petrus hätte sich nicht
abseits gehalten. "Ich muss zu ihnen", murmelte er. "Sua Santita?", fragte eine leise Stimme. "Euer
Heiligkeit?" Pedro De la Rosa, Papst Pius XIV., horchte auf. Diese Stimme war anders als die anderen. Die
Worte waren nicht etwa laut gesprochen, doch sie besaßen einen anderen Klang als das Geflüster, mit dem man
ihm Nachricht von den Vorgängen in der Stadt gab. Der Papst wandte sich um, und Bruder Duarte deutete eine
knappe Verneigung an. Der dunkelhäutige junge Mann war schon in Venezuela De la Rosas Vertrauter gewesen.
"Ich muss zu ihnen", wiederholte der Papst. "Weide meine Herde, hat der Herr zu Petrus gesprochen, und
dort unten ... dort unten verbrennt die Herde." Duarte nickte, und seine Lippen verzogen sich zum Anflug eines
Lächelns. Es lag Verständnis darin, nicht Herablassung. Duarte, stellte De la Rosa wieder einmal fest, war ein gut
aussehender Mann. "Wenn Sie jetzt nach Rom fahren, Euer Heiligkeit, wird der Präfekt der carabinieri ein
Großaufgebot von seinen Mannschaften abziehen. Wollen Sie das?" "Ich könnte nach meinen Kräften ..."
"Sie würden nach Ihren Kräften", nickte der junge Mann. "Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie Sie Seite
an Seite mit den Arbeitern auf den Plantagen gestanden haben. Abends, wenn die anderen erschöpft am Boden
saßen, haben Sie ihnen noch das Wort des Herrn verkündet. Nur waren Sie damals fünfzehn Jahre jünger - und
Sie waren nicht der Papst, das Lieblingsziel aller Verrückten und Fanatiker dieser Welt." Das Lächeln
verschwand aus seinem Gesicht. Es war, als wäre eine Wolke vor den weißen Mond gezogen. "Was Sie dort
unten geben könnten, Euer Heiligkeit, stände in keinem Verhältnis zum Aufwand und den Gefahren. Hier
dagegen können Sie etwas tun.
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