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Die Feinde der Tuchhändlerin: Caren Benedikt
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Caren Benedikt

Die Feinde der Tuchhändlerin

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1 gebund. Buch
Bestellnummer: 104858
Gebunden mit Schutzumschlag, Premiere, 368 Seiten
Clubausgabe 16,99 €*
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Über dieses Buch:

Worms, 1231. Die junge Tuchhändlerin Constanze hat geahnt, dass eines Tages etwas Schreckliches passieren und sie für ihre Gottlosigkeit bestraft würde. Gegen den Willen ihres verstorbenen Vaters hat sie ihre Verlobung mit dem ungeliebten Apothekersohn aufgelöst. Und nun ist ihre Schwester Maria auf einer Handelsreise spurlos verschwunden. Mit Hilfe des Ritters Konrad, der sie heimlich liebt, begibt sie sich auf die Suche. Und gerät dabei in Lebensgefahr ... Ein spannender historischer Schmöker voller Intrigen und Romantik vor einer farbenprächtigen Mittelalterkulisse.
EAN: 206004104858

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Leseprobe:

Worms im Jahre 1228. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Auf dem Marktplatz starb gerade ein Mann. Man sagte, es sei einer der großen Ratsherren, die alle Belange von Worms überklug zu lenken vermochten. Ein Mann des Rates, zusammengebrochen, lag sterbend auf dem noch matschigen Boden dieser lebendigen Stadt. Das Gejohle der Schaulustigen war ohrenbetäubend, und alle strömten herbei, um aus nächster Nähe das Leiden dieses bedeutenden Mannes beobachten zu können. Er selbst wurde nicht mehr gewahr, dass um ihn herum die Menschen gafften und feixten, während er kurz davor war, seinem Schöpfer gegenüberzutreten. Richard Hohenau hatte sich das Sterben anders vorgestellt. Friedlich und ruhig, in seinem eigenen Bett, umgeben von den Menschen, die ihn liebten. Doch jetzt war es ganz anders gekommen - in aller Öffentlichkeit, mit Schweißperlen auf der Stirn, drückenden Schmerzen in der Brust -, und er schämte sich ob der Unwürdigkeit der Situation. Sein seidenes Wams klebte ihm am Körper, und seine sonst so gepflegten Haare hingen strähnig herab. Zitternd öffnete er die Augen und versuchte, die Gesichter der Menschen zu erkennen, die sich um ihn geschart hatten. Er ahnte nur noch schwach die Silhouetten jener, die sich über ihn beugten und ihm helfen wollten, empfand große Sinnlosigkeit in ihrem Tun, fühlte sich jedoch außerstande, diesen Gedanken zu äußern. »Lasst ihn uns ins Trockene tragen«, hörte er die Stimme eines seiner Begleiter, und mit einem Ruck hievten sie seinen Körper hoch. Erneut durchfuhr ihn der bittere Nadelstich der Erkenntnis, einem Komplott zum Opfer gefallen zu sein. Es war von Anfang an ein abgekartetes Spiel gewesen, und er hätte es früher erkennen müssen. Eine unbändige Wut stieg in ihm auf, da es zu spät war und er gehen musste, ohne seine Töchter warnen zu können. Er sorgte sich, die Mädchen ohne Schutz zurückzulassen, und wollte alle Kraft zusammennehmen und sich aufbäumen, um das Verbrechen an ihm herauszuschreien. Ein letztes Mal blickte er die Männer an, die seine Glieder gepackt hatten und sich einen Weg durch die Menge bahnten. Auch die Verräter waren unter ihnen, seine Mörder. Er hob den Arm und versuchte auf sie zu zeigen, doch seine Kräfte schwanden und der grau bedeckte Himmel von Worms wurde vor seinen Augen schwarz. Noch einen kurzen Moment schmerzte seine Brust, und die Dunkelheit umschlang seinen Körper wie in einem gewaltigen Strudel. Dann spürte er, wie sie seine Hand nahm. Katharina war gekommen, um ihn zu sich zu holen, und er sah den lächelnden Blick seiner Frau nach so vielen Jahren. Er erwiderte ihren Griff, ließ sich von ihr fortziehen und seinen toten Körper als leere Hülle zurück. Als die Männer mit ihm das trockene Quartier erreichten, war Richard Hohenau bereits tot. Seine Töchter waren nun ganz auf sich gestellt. 1. Kapitel Die Angst schnürte ihr die Kehle zu. Ihr sonst so gesunder Teint war aschfahl, und die durchwachte Nacht hatte tiefe Ringe unter ihre blauen Augen gezeichnet. Zitternd stand sie am Fenster und starrte in den Innenhof hinunter. Es nieselte unmerklich, und irgendwann in den letzten Stunden war die tiefschwarze Nacht einem grauen Tagesbeginn gewichen. Constanze konnte noch immer die Spuren des Karrens sehen, mit dem sich ihre Schwester tags zuvor gemeinsam mit einem Knecht in Richtung Worms aufgemacht hatte, um die eingetroffenen Waren vom Hafen abzuholen. Das Anwesen mit dem Tuchhandel und dem Seidenkontor lag nur etwa fünfzehn Minuten vor der inneren Stadtmauer von Worms, einer Stadt, die sich in den letzten zehn Jahren zu einer lebendigen Metropole entwickelt hatte. Der Hafen von Worms war zu einem Umschlagplatz für Waren aller Art geworden, und der florierende Handel hatte auch ihrem eigenen Geschäft, das sie vor drei Jahren gemeinsam mit ihrer Schwester vom Vater übernommen hatte, einen ansehnlichen Wohlstand beschert. Der Weg von der Stadtmauer bis zum Hafen betrug noch einmal ungefähr zehn Minuten, fünfzehn vielleicht, wenn man sich vom Getümmel auf dem Marktplatz ablenken ließ. Selbst wenn sich Maria hatte aufhalten lassen, um dem bunten Treiben der Ständler und mancher Gaukler zuzuschauen, hätte sie im Laufe des gestrigen Nachmittages heimkehren müssen. Fröstelnd schlang Constanze ihr Schultertuch um den Körper, ohne dabei den Blick vom Hoftor zu wenden. Sie hatte es gewusst. Sie wusste, dass der Tag kommen würde, an dem etwas Schreckliches passieren und sie für ihre Gottlosigkeit bestraft würde. Jetzt hatte es offenbar ihre Schwester getroffen. Was mochte ihr nur zugestoßen sein? Dumpfes Geschirrklappern drang aus der Küche in ihre Kammer herauf. Sie sah, wie Haubold, ihr Verwalter, mit schweren Schritten zum Gesindehaus hinüberstapfte und im nächsten Moment einen der Knechte zur Ordnung rief. Von irgendwoher hörte man einen Hund bellen, und langsam begann das geschäftige Hin und Her auf dem Hof. Die Schneiderinnen kamen gerade durch das Tor geschlendert, um im Seidenkontor wieder aus Constanzes Sichtfeld zu verschwinden. Obwohl alles wie immer schien, war Constanze, als würde eine Totenstille über dem gesamten Anwesen liegen. Sie wandte sich vom Fenster ab, raffte ihre Röcke und verließ leise, fast schon schleichend, ihre Kammer. Lautlos ging sie über den Korridor die wenigen Treppenstufen ins Erdgeschoss hinab und öffnete zögerlich die Küchentür. Sie hoffte in diesem Moment nichts sehnlicher, als ihre Schwester an dem langen Eichentisch die Morgensuppe einnehmen zu sehen. Doch als Constanze eintrat, war der Platz auf der Bank leer. Allein die Haushälterin stand an der Feuerstelle und kochte Schweineknochen aus. »Hast du Maria heute gesehen, Hemma?« Die Alte drehte sich schwerfällig um und fuchtelte mit der Suppenkelle. »Is nich hier gewesen. Das junge Ding treibt sich rum. Der fehlt eine feste Hand. Hab ich ja schon lange gesagt. Würd mich nicht wundern, wenn se in 'n paar Monaten "n Bastard zur Welt bringt.« Constanze zog geräuschvoll die Luft ein und schloss kurz die Augen, machte auf den Fersen kehrt und verließ den Raum. Hätte ihr Vater nicht so große Stücke auf Hemma gehalten, wäre sie von Constanze schon längst zum Teufel gejagt worden. Doch selbst nach seinem Tod mochte sie nicht seinem Willen zuwiderhandeln. Sie trat auf den Innenhof hinaus, und kalte Herbstluft schlug ihr entgegen. Bei jedem Atemzug stieß sie kleine Wölkchen aus, während der Wind an ihrem gebundenen Zopf zerrte und sie die Augen zusammenkniff, um bei dem peitschenden Nieselregen etwas erkennen zu können. »Haubold, ist die Ware angekommen?«, rief sie dem Verwalter zu, der gerade aus dem Tuchlager heraustrat. Er schüttelte den Kopf und bemerkte sofort die dunklen Ränder unter ihren Augen und eine ungewohnte Blässe, die ihn an milchiges, leicht zerbrechliches Glas erinnerte. »Noch nichts angekommen«, antwortete er kurz. »Und Hugo ist auch nicht da. Ist Eure Schwester heimgekehrt?« Constanze verneinte wortlos und sah dann zu den Pferdeställen hinüber. »Lass mein Pferd satteln, ich werde selbst zu den Fuhrleuten reiten.« Haubold blieb wenige Schritte vor Constanze stehen. »Wünscht Ihr, dass ich Euch begleite?« Wieder schüttelte Constanze den Kopf. »Sag Hanns, er soll mich begleiten.« Sie zögerte einen Moment. »Und gib auch Konrad Bescheid. Wir werden einen Karren mitnehmen. Sollte die Ware noch nicht unterwegs sein, werden wir sie mitbringen. Du selbst bleibst derweil hier und führst den Hof.« Haubold nickte und ging zu den Stallungen hinüber, während Constanze ihm nachsah. Er war ein kleiner, untersetzter Mann, der bereits in den Diensten ihres Vaters gestanden hatte, längst bevor sie das Laufen lernte. Sie vertraute ihm. Man sah ihm nicht nur die Jahre an, sondern auch die Liebe zum Wein. Außerdem hatte er die zweifelhafte Gewohnheit, im Hurenhaus ein und aus zu gehen, dessen Wirt er nicht selten den gesamten Monatslohn überließ. Trotz allem war sein Verhalten Constanze und Maria gegenüber stets tadellos gewesen, und er führte den Tuchhandel so, wie er es von ihrem Vater gelernt hatte. »Hanns, du fauler Hund«, rief er. »Wo hast du dich wieder verkrochen?« Vermutlich hatte Hanns es sich im hinteren Teil der Stallungen gemütlich gemacht. Constanze hörte den Verwalter in schroffem Ton Verwünschungen ausstoßen. Ohne weiter darauf zu achten, ging sie zurück, um sich für ihren Ritt umzuziehen.
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Biographie:

Caren Benedikt, geboren 1971, wuchs in einer norddeutschen Kleinstadt auf. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten und arbeitete danach als freie Journalistin. Sie lebt heute gemeinsam mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in einem kleinen Ort in der Nähe von Bremen. »Die Feinde der Tuchhändlerin« ist ihr erster Roman.

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